Nik hat mir, anläßlich unseres Deutschlandtrips, mein Geburtstagsgeschenk dieses Jahr etwas früher gegeben. Ich habe mir für dieses Jahr ein Kindle gewünscht und die Woche vor unserem Trip auch bekommen. Und ich bin bereits jetzt überzeugt, dass es das beste Geschenk war, dass ich bekommen konnte.
Bis vor kurzer Zeit war ich noch skeptisch, ob ich es mag Bücher an einem e-book reader zu lesen. In den Läden hier, Barnes&Nobles mit dem Nook, Best Buy mit dem Kindle, und andere Elektronikläden mit den Readern von Sony, hatte ich schon öfters mit den Geräten gespielt und spaßeshalber mal etwas recherchiert. Lesen auf dem PC ist nicht wirklich das wahre. Ich schau den ganzen Tag auf meinen Computer Bildschirm, da will ich mir doch nicht noch abends die Augen verderben. Als ich aber das iInk der Geräte gesehen habe, hat sich meine Einstellung geändert. Es ist kaum zu glauben, wenn man es sieht, aber es sieht wirlich so aus, als ob der Text direkt auf das Gerät gedruckt ist. Es ist sehr angenehm für das Auge und ist leicht und handlich.

Es klang alles ganz gut, aber rechtfertig es wirklich die Kosten für das Gerät? Schließlich kann man sich viele Bücher kostenlos in der Bücherei ausleihen. Oder von Bekannten ausleihen. Oder gebraucht auf dem Flohmarkt kaufen. Aber mal ganz ehrlich, ich schaffe es praktisch nie auf einen Flohmarkt, die Bücherei hat eine limitierte Auswahl und ich schaff es da auch nicht so oft hin wie ich gerne wollte und die meisten meiner Bekannten lesen nicht die selben Sachen wie ich.
Grundsätzlich geändert hat sich meine Einstellung dann, als ich „Alice in Wonderland“ von Lewis Caroll im Original gelesen habe. Ich habe mir eine Taschenbuchausgabe für 6 Dollar gekauft gehabt und habe es in einem Stück verschlungen. Eine fantastische Geschichte. Und komplett kostenlos bei Amazon für den Kindle. Ebenso „Der Graf von Monte Christo“ (in englisch). Oder „Moby Dick“, „Gullivers Reisen“, die Bibel, Aristoteles,… Sprich, die echten Klassiker kann man kostenlos auf den Kindle laden. Und ich lese Klassiker sehr gerne. Ebenso gibt es eine Vielzahl von englischen Groschenromanen kostenlos. Nur der Vollständigkeitshalber erwähnt.
So gesehen, bei den Kosten von 120 Dollar für ein Kindle und einem angenommenen Preis von 6 Dollar für ein Taschenbuch, habe ich meine Kosten wieder drin, wenn ich 20 kostenlose Bücher gelesen habe. Insbesondere, da ich die anderen Möglichkeiten, wie Ausleihen, eh nicht wahrnehme.
Seit ich mein Kindle ausgepackt habe, habe ich bereits 20 Bücher runter geladen. Davon habe ich mit dem ersten Buch angefangen (Gullivers Travels). Außerdem habe ich mir ein Probeabbo der FAZ besorgt. Nun kann ich jeden morgen zum Frühstück die FAZ lesen. Ich wollte schon immer ein FAZ Abbo haben, aber hier in Iowa bekommt man die Zeitung erst mit einem Tag Verspätung per Post geliefert. Außerdem paßt nun die gesamte Zeitung locker in meine Hand und bedeckt nicht den gesamten Frühstücktstisch und ich brauche auch keine kreativen Bastelfähigkeiten um auf die nächste Seite zu blättern.
Ich bin bereits begeisteter Leser auf der Online-Plattform von FAZ, Spiegel, und Zeit. Aber dort gibt es meist nur Kurznachrichten mit vielen Schreibfehlern. Wirklich gut ausgearbeitet Berichterstattung findet man nach wie vor nur in der Druckausgabe.
Vor kurzem habe ich auch noch eine andere angenehme Seite kennengelernt. Ich habe mich mit meiner Cousine Mary über ein Thema unterhalten, zu dem ich viele Fragen hatte. Sie hat mir daraufhin ein Buch empfohlen. Sie hat mir noch während unseres Telefonats einen Link zu dem Buch bei amazon per email geschickt, ich hab das Buch für den halben Preis vom Druckpreis fürs Kindle gekauft, und im selben Moment war es schon auf meinem Gerät und ich konnte sofort mit lesen anfangen. Wie klasse ist das denn? Keine Warten auf das bestellte Buch, keine Fahrerei in nächsten Laden, oder zur Bibliothek, statt dessen sofort für mich bereit zum lesen.
Abgesehen davon habe ich mir noch ein Buch über Produktionsplanung gekauft. Ja, eigentlich wollte ich erst mal kein Geld für e-books ausgeben. Aber als ich das Buch für 1 Cent gesehen habe, wobei die Hardcover Ausgabe 180 Dollar kostet, da konnte ich nicht wiederstehen.
Ich bin mir nicht ganz sicher wie leicht mein Kindle tatsächlich ist, aber es ist verdammt leicht. Es paßt bequem in jede Tasche die ich habe und ich kann den Kindle daher jederzeit, überall hin mitnehmen. Da habe ich nun also die aktuelle Ausgabe der FAZ und meine 20 Bücher (klassische Literatur und Sachbücher) in meiner Handtasche und merke es kaum.
Im den Jahren 2007 and 2008 bin ich insgesamt 12 mal umgezogen. 12 mal habe ich Bücher eingepackt, ausgepackt, aussortiert, eingemottet, verschenkt, gespendet und rumgeschleppt. Nicht dass ich plane das noch einmal zu wiederholen, aber es ist schön mit weniger Zeugs durchs Leben zu gehen. Ein schön gefülltes Bücherregal ist nett, aber mal ehrlich, es braucht viel Platz, staubt voll und wie oft nimmt man ein Buch tatsächlich ein zweites mal zur Hand. Daher genieße ich es jetzt, dass ich in Zukunft meine Bibliothek in einem kleinen, handlichen Gerät mit mir tragen kann und nicht all meine Wände mit mehr und mehr Regalen vollstellen muss. Abgesehen davon, dass wenn Nik und ich das nächste mal umziehen, wie keine super schweren Bücherkisten mehr schleppen müssen.
Alles in allem, innerhalb von ein paar Wochen habe ich mich völlig in mein Kindle verliebt. Und ich freue mich darauf auf langen Flügen all meine Bücher bei mir zu haben und nicht schon vorher wissen zu müssen was ich lesen will. Wenn nun noch mehr deutsche Bücher als e-books verlegt werden und die deutschen Klassiker vielleicht auch noch kostenlos werden (Copyright ist auf den ollen Goethe ja schon ausgelaufen), dann bin ich vollends glücklich.